Dienstag, 16. Februar 2010

Handeln


Feilschen verbraucht viel Zeit und ist zunächst ungewohnt, man kommt aber kaum drum herum. Nicht gehandelt wird nur in Supermärkten des täglichen Bedarfs, in Markenläden und bei einigen wenigen Händlern. In den berühmt-berüchtigten touristischen Shoppingburgen wird also gefeilscht.

Ohne die Landessprache ist es schwieriger, aber möglich. Die VerkäuferInnen sind freilich auf Touristen eingestellt und beherrschen rudimentäres Englisch, bzw. im russischen Viertel Russisch. Zettel und Stift bereit halten, um Zahlen aufzuschreiben, ist ein Weg. Die Zahlen 0-10 auf chinesisch zu lernen, ein anderer. Viele Händler benutzen Taschenrechner oder Mobiltelefone, um den Preis zu kommunizieren.

Preisspanne. Die VerkäuferInnen bestehen für gewöhnlich darauf, dass man als KäuferIn den Anfang macht. Wer mutig ist, beginnt mit einem Zehntel des Preises in der Heimat. In unserem Fall: Deutschland. Zum Zeitpunkt der Reise lag der Kurs bei 1 Euro = 9,6 Y. Grob also 1:10. Wer ein Zehntel des Preises nennen will, nimmt den deutschen Europreis und nennt ihn in Y. Wer also einen Anzug kaufen will, und für diesen in Deutschland 300 Euro bezahlen würde, nennt 300 Y. Realistisch wären 800-900 Y für einen Maßanzug (aus einem touristischen Shoppingtempel). Weniger Mutige nehmen einen Faktor 5 bis 6, also 300 Euro = 3000 Y, macht 500 Y. Wichtig ist nur das nächste Angebot der VerkäuferIn, denn damit sind die Unter- und Obergrenze abgesteckt, innerhalb derer gehandelt wird.

Immer nett bleiben, lächeln und nichts persönlich nehmen. Feilschen ist auch Schauspielern. Man schweift auch mal vom Thema ab und betreibt Small Talk. Zu zweit sein, hat einige Vorteile. So kann z.B. einer den Vernünftigen spielen, der das Feilschen abbricht, und einer den Enthusiasten, der weiter verhandelt. Nach einem abgebrochenen Gespräch kann man immernoch zurückkehren. Und meist gibt es das Gesuchte ohnehin mehrfach - erzielt man also nicht den erhofften Preis, zieht man weiter.

Eines sollte man allerdings beachten: sie können handeln, aber gerade bei kleinen Artikeln lohnt sich oft der Aufwand nicht. So kann man einen Artikel von 90 Y auf 60 Y herunter handeln. Eine Ersparnis, die relativ zwar viel ausmacht (33%), absolut aber nur 30 Y - also grob 3 Euro.
Nicht gehandelt wird ebenfalls in exquisiten Markenläden, in denen Artikel ohnehin das gleiche wie in der Heimat kosten (Markensportartikel, Computer etc.)

Bild: Straßenszene am Kohleberg